In der Graduiertenklasse werden Phänomene v0n Säkularität(en) und von Säkularisierung(en) im Anschluss an die Diskussionen um das Verhältnis von Säkularem und Religiösem analysiert, wobei die Begriffe, Dimensionen, Entwicklungen und Konsequenzen von Säkularität in den Blick genommen werden. Die Grundannahme der Forschungen in der Graduiertenklasse lautet, dass das Verhältnis von Säkularem und Religiösem nicht statisch sondern dynamisch ist, so dass neben dem Gegeneinander von Säkularem und Religiösem auch das Neben- und Miteinander untersucht werden kann.

Begriffe: Ausgehend von dieser Grundannahme zeigt sich, dass - im Gegensatz zur Annahme einer Konvergenz der globalen Entwicklungen im Modell der (west-)europäischen Säkularisierung - divergierende Begriffsbestimmungen von Säkularem und Religiösem zu konzeptionalisieren sind. Insofern lässt sich nicht (nur) im Singular von Säkularität, sondern im Plural von Säkularitäten sprechen.

Dimensionen: Säkularität – im Singular und im Plural – ist kein eindimensionales Konzept. Es lässt sich mindestens zwischen einer eher präskriptiven und einer eher deskriptiven Dimension von Säkularität(en) unterscheiden. Während die eine die Legitimationen säkularer Theorien und Praktiken der Weltdeutung und die Kritik dieser Legitimationen betrifft, geht es bei der anderen um die Institutionalisierung säkularer Theorien und Praktiken der Weltdeutung und um ihre öffentliche Repräsentation.

Entwicklungen: Die europäische Erfahrung von Säkularisierung verliert dementsprechend ihre Bedeutung als Paradigma der Analyse von Säkularem und Religiösem. Stattdessen stellt sie eine von mehreren Möglichkeiten der Entwicklung in der Moderne dar. Neben dieser Möglichkeit sind andere Konfigurationen von Säkularem und Religiösem in Geschichte und Gegenwart zu analysieren, wofür insbesondere geographisch und historisch vergleichende Studien wichtig sind.

Konsequenzen: Geht man davon aus, dass das Modell der Säkularisierung Europas kontingent ist – oder stellt man parallel dazu die Differenzierung von Säkularem und Religiösem überhaupt unter Ideologieverdacht –, dann werden auch die sozialen, kulturellen und politischen Prägungen einer Gesellschaft problematisiert. Insbesondere die Konfrontationen zwischen dem Dominanzanspruch eines säkularen Staates (Säkularismus) gegenüber religiösen Dominanzansprüchen lassen sich analysieren.

In der Graduiertenklasse, die an die Forschungen zu Multiple Secularities an der Universität Leipzig anschließt, werden Qualifikationsarbeiten zur Thematik der Säkularitäten in interdisziplinärer und internationaler Perspektive zusammengeführt. Im Fokus der Forschungen liegen theoretische und empirische Analysen, wobei neben aktuellen Konfigurationen von Religiösem und Säkularem auch Entwicklungsprozesse und Entwicklungspfade untersucht werden, die zu diesen Konfigurationen führten und führen.